Im Augenblick leben

Planen, organisieren, strukturieren…das gehört für viele Menschen zum Alltag ihres Lebens. Ein gut organisiertes Leben kann Sicherheit, Ruhe und Halt geben. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir dem Leben im Hier und Jetzt nicht mehr genug Aufmerksamkeit geben. Die Gegenwart aufmerksam wahrnehmen, Mensch und Natur die volle Aufmerksamkeit geben, das gibt dem Leben und den Beziehungen Tiefe. Wie oft hören wir den Menschen nicht intensiv zu und sind mit unseren Gedanken ganz woanders, wie oft nehmen wir die Schönheit der Natur nicht oder nur oberflächlich wahr. Wir verpassen dann Entscheidendes – ein gutes und ehrliches Wort eines Menschen, das Heilbringende, das die Schöpfung uns bereitet hat. Gleichsam mit dem Wort von Blaise Pascal (1623-1662) möchte ich Sie einladen, wieder mehr auf die Gegenwart zu schauen, denn genau in dieser Zeit spielt das eigentliche Leben.
„Wir irren in den Zeiten herum, die nicht uns gehören.
An die Gegenwart, die einzige Zeit, die uns gehört,
denken wir meist nicht.“
Schauen Sie mal selbst in sich hinein. Ist die Gegenwart für Sie im Blick oder bestimmen Vergangenheit und Zukunft Ihr Denken und Fühlen? Können Sie das Planen und Denken mal zurückstellen, gleichsam ausblenden, um Raum zu schaffen für das Gegenwärtige, das wie ein Geschenk auf Sie zukommt? Das konkrete Leben spielt sich in der Gegenwart ab, deshalb ist diese Zeit so wichtig und manchmal entscheidend.
Ich bin immer wieder gern in Lagos/Portugal und fülle meine Seele mit Energie, Freude und Dankbarkeit. Dabei begleiten mich mein Klavier, meine Stimme mit Gesang, meine Bücher, mein Fahrrad und die Natur. Gerade die Schöpfung ist so heilsam. Ich bin so dankbar, dass ich diesen Ort in der Algarve gefunden haben. Wieder sind es Menschen, die mir eine solche Auszeit ermöglichen. Das sind, so habe ich es in meinem Buch „Aufruhr“ umschrieben, meine persönlichen Erntedank-Feste.
Gestern Abend wurde ein Regentief vorausgesagt und heute Morgen, in aller Frühe, habe ich mir dieses wunderbare Schauspiel angeschaut. Die Bilder, die ich gesehen und anschließend in Fotos festgehalten habe, lege ich gerne zu meinen Gedanken, damit Sie tiefer eintauchen können in meine Inspirationen und berührt werden. Es sind Naturereignisse, die mich mit Freude und Dankbarkeit durch den Tag getragen haben. Ich konnte mich ganz auf sie einlassen, war ganz im Augenblick, ganz gegenwärtig, nichts hat mich abgelenkt.
Aldous Huxley (1894-1963) sagt es in seinem Roman „Eiland“ so: „Man vergisst, darauf zu achten, was augenblicklich geschieht. Und das ist dasselbe, als wäre man jetzt nicht hier.“
Ich schaue gerne Kindern beim Spielen zu und freue mich an ihrem Verhalten. Das Kind, so finde ich, lebt viel mehr im Hier und Jetzt, weil es das Gestern schnell vergessen hat und sich auch nicht in die Zukunft hinein verliert. So erfährt es die Freiheit für das Heute.
Mit den Worten meines weisen 95-jährigen englischen Freundes Tim aus Lagos wünsche ich Ihnen die Freude am Leben – die Freude am Hier und Jetzt.
„Never look back in anger,
Never look forward in fear,
Always look around you in wonder“

Euer / Ihr

Thomas Laufmöller

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