D – Dankbarkeit
„Danke schön“
Ich las vor einiger Zeit vom Arzt Dr. Curt Emmrich, der unter dem Namen Peter Bamm als Schriftsteller bekannt wurde, folgende, tiefgreifende Erfahrung:
Er arbeitete als Arzt während des Russlandkrieges, versorgte und operierte unzählige Verwundete. Dr. Curt Emmrich ist 1975 in Zürich gestorben. Einen Patienten hat er bis an sein Lebensende nicht vergessen. Es war ein junger Mann, der ihm mit einem vollständig zerfetzten Gesicht gebracht wurde. Der Chirurg machte sich an die Arbeit und nach und nach entstand unter seinen Händen und seiner Liebe das zerstörte Gesicht wieder.
Und nun kam die letzte Phase der Operation. Dem Patienten wurde der zweite Mundwinkel zusammengenäht. Am Ende richteten die Helfer den Verwundeten auf. Da er infolge der örtlichen Betäubung noch keine Schmerzen hatte, bat ihn der Arzt:
„So, nun sprechen Sie mal!“ Der junge Mann bewegte vorsichtig seine Lippen und sprach mit einem kleinen Lächeln: „Danke schön!“
(Peter Bamm, Die unsichtbare Flagge, in: Werke II, Droemer Verlag, Zürich 1967, S. 630)
„Danke schön“, was für ein wohltuendes, liebevolles, sanftes Wort. Ich konnte mich tief in es hineinfallen und es für mich nachklingen lassen. Ich konnte es intensiv nachempfinden, warum der Arzt diesen Menschen in seinem ganzen Leben nicht vergessen hat. Zwei Worte mit dieser ungeheuren Strahlkraft.
Beim Abschied unseres Hundes, der sehr schmerzhaft war, sagte ein Familienmitglied unter Tränen:„Danke schön“ zu dem Tier. Und danach schloss Seo für immer ihre Augen. Dieses „Danke schön“ klingt bis heute in meiner Seele nach und berührt mich, es war so ehrlich, so authentisch, es kam aus tiefsten Herzen.
Wie klingt dieses Wort „Danke schön“ in ihren Ohren?
Wie oft hören sie es und nehmen es bewusst wahr?
Wie oft sagen Sie selbst „Danke schön“?
Der dankbare Mensch schaut zurück, er erinnert sich an wohltuende Gesten und Worte, spricht sie aus und formuliert sie noch einmal. Er überdenkt das Leben und vertieft es dadurch, kommt so zu seinem wahren Menschsein. Er weiß, ich habe etwas Wertvolles, etwas Kostbares empfangen. Das wahrzunehmen und auszusprechen, stärkt den Schenkenden und den Beschenkten zugleich und die Welt wird ein kleines Stück menschlicher, liebevoller.
„I give you thanks, Lord God, with all my heart. Your help and your comfort are sure.
I give you thanks, Lord God, with all my heart. My life will sing your praise“
Mit diesem Lied breite ich am Ende eines Tages alles Erfahrene noch einmal vor Gott aus. Ich bespreche sozusagen mit IHM den Tag. Ich glaube daran, dass Gott immer mitgeht, da ist, Anteil nimmt. Ich beschließe meine Besinnung und mein Gebet mit einem „Dank schön“ an Gott. Dabei setze ich mich an meinen Flügel und singe diesen Dank mit Freude. Dieses wunderbare Lied habe ich in Taizé kennengelernt und es ist für mich zu einem spirituellen Wegbegleiter geworden.
D – Dankbarkeit
Euer / Ihr
Thomas Laufmöller
