Lebenseinstellung

Wenn du dir Gedanken über dein Leben und deine Lebenseinstellung machen möchtest, dann schaue auf deine Kindheit – der Rest sind Fußnoten. So hörte ich es einmal im Gespräch unter Psychologen. Seitdem kreisen meine Gedanken um dieses Wort, das mich berührt und nachdenklich gemacht hat. Welche Kindheitserfahrungen habe ich selbst gemacht? Welche Erfahrungen haben Menschen gemacht, so dass sie zu großen Persönlichkeiten wurden?
Das Leben von Mahatma Gandhi bewegt mich seit Jahren. Mahatma heißt übersetzt. „Die große Seele“. Diesen Beinamen hat er von den Menschen bekommen, weil sie in ihm einen großen Menschenfreund sahen. Ich denke, die Wurzeln dieser Liebe liegen in seiner Kindheit. Deswegen ist es so entscheidend, dass wir unseren Kindern eine gute, ehrliche und zugewandte Kindheit schenken, damit unsere Welt friedvoller und menschlicher wird. Sie wird es, wenn jeder Mensch sich auf seine Art für Liebe, Frieden und Gerechtigkeit einsetzt.
Wir müssen die Kinder stark machen, damit sie für die Liebe und Wahrheit eintreten, auch und gerade dann, wenn sie dafür bedrängt werden.
Mahatma Gandhi ist in einer Meeres-Stadt aufgewachsen. Ein Ort voller Hindus, Moslems, Juden und Perser. „In unserem Tempel, so formulierte es Gandhi einmal, las der Priester aus dem moslemischen Koran. Er wechselte dabei immer von einer Schrift zur anderen, als würde es keine Rolle spielen, solange nur Gott gepriesen wird. Ein guter Apostel, so war er überzeugt, kennt des anderen Leid und Freude, wie auch seines. Er verneigt sich vor allen und verabscheut keinen.“
Ich glaube, dass Gandhis „Heimat-Seelsorger“ ihn tief geprägt hat. Auch wir brauchen, gerade in dieser Zeit, solche Vorbilder, die die Weite und das Verbindende auch in den Religionen erkennen und leben. Gandhi selbst betete in universalen Gebeten aus den Texten der verschiedenen Religionen. Er war zutiefst eine geistlich-spiritueller Mensch und lehnte jede Religion ab, die die Menschen eher auseinanderbringt als zusammenführt. „Moslems und Hindus sind das rechte und das linke Auge Indiens“. Eine sehr schöne und wirkungsvolle Metapher Gandhis, die uns nachdenklich machen und aufschließen will für die Vielfalt menschlichen Lebens und Glaubens. Einmal wurde Gandhi gefragt: „Was glauben Sie, was wird aus ihrer Lebenseinstellung, wenn Sie sterben?“ Darauf antwortete er traurig: „Die Leute werden mich im Tod verehren, aber sie werden meine Sache nicht zu ihrer machen.“
Das ist leider traurig und die bittere Wahrheit, dass lebensbejahende Impulse von Menschen nicht angenommen – oder mehr noch – verdrängt und vernichtet werden. Das gehört leider zur Geschichte unserer Menschheit. Trotzdem weitermachen, nicht aufgeben, dranbleiben, auch wenn es schwerfällt und Mut, Dynamik, Freude und Entschlossenheit ausgebremst werden. Gandhi hatte diese Lebenseinstellung. Er machte weiter bis zum Ende seines Lebens, er gab nicht auf, weil er diese folgende innere Haltung und Auffassung hatte: „Wenn ich verzweifelt bin, sag ich mir immer wieder, dass in der Geschichte der Weg der Liebe und der Wahrheit immer gesiegt hat. Es mag Tyrannen und auch Mörder geben, die – so schien es manchmal – unbesiegbar waren. Aber irgendwann wurden sie doch gestürzt.“
Wegen dieser gelebten Liebe bis zum Ende seines Lebens nannten die Menschen ihn Mahatma – die große Seele. Ich möchte Sie einladen, sich auch heute noch von seiner Seele inspirieren zu lassen und den Weg der Liebe, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit zu suchen und zu gehen. Dann wird Ihr Leben für Sie und für andere zum Segen. Diesen menschlichen und göttlichen Segen haben wir alle bitter nötig.

Euer / Ihr

Thomas Laufmöller

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