Lesen macht Freude und vertieft das Leben
In dieser Woche habe ich eine Frau im Alter von 82 Jahre beerdigt. Das Markenzeichen dieser Frau: Sie hat Bücher, sie hat Literatur geliebt. Sie ist in ihrem Leben des Öfteren umgezogen und das erste, was in der neuen Wohnung aufgestellt wurde, war das Bücherregal. Wenn Menschen sie besuchten, waren sie erstaunt von den vielen Büchern, die sofort in den Blick fielen und den Eintretenden mit Liebe und Wärme umfingen. Außerdem hörte ich eine großartige Erfahrung, die sie mit ihrer Enkelin gemacht hat. Diese kam im Alter von zwei Jahren mit ihrer Oma aus der Bibliothek, hinter sich schleppend und ziehend eine Tasche voll mit Büchern. Sie fiel nicht wenigen auf und schließlich wurde sie gefragt: „Wer liest dir diese Bücher denn alle vor?“ Das kleine Kind antwortete mit leuchtenden Augen: „Oma natürlich!“ Ich kann mir diese tiefe Freude und Dankbarkeit dieses Kind sehr gut vorstellen. Bücher, herzergreifende Worte und Geschichten – sie können unser Leben so bereichern.
Ich selbst beginne fast jeden Tag mit Worten und Literatur. Ich bin ein „Morgenmensch“ und nutze die Morgenstunden, um den Tag lesend, denkend und spürend zu beginnen. Noch vor Sonnenaufgang sitze ich am kleinen Sekretär meines Urgroßvaters auf der Süd-Ost-Seite meiner Wohnung, schaue anfangs in den noch dunklen Himmel, beobachte wie die Sonnenstrahlen langsam durchdringen und die Vögel futtersuchend und spielend auf meiner Terrasse herumfliegen. Ich lese solange, bis ein Wort mich zutiefst in meiner Seele berührt und ich dieses dann mit durch den Tag nehme. Franz Kafka sagt: „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“
Da kann ich ihm nur zustimmen und freue mich über Menschen, wie das kleine Kind und seine Oma, die das ähnlich empfinden.
Lesen macht Freude und vertieft das Leben
Euer / Ihr
Thomas Laufmöller
