Musik wäscht den Staub des Alltags von der Seele
Immer wieder kommt es vor, dass liebe Menschen mir Texte, Gedichte und Gedanken zukommen lassen, weil sie wissen, dass ich ein Freund des Wortes bin, dass ich gerne tiefsinnige Worte von Schriftstellern lese und diese an mein Herz und meinen Verstand lasse und damit an mein Leben, mitfühlend und nachdenklich.
So war es auch in den letzten Tagen. Der Mensch, der mir das Wort von Leah Weigand zuschickte, kennt mich gut. Wir tauschen uns regelmäßig aus sprechen intensiv über das Leben.
„Wenn mit dem ersten Ton das Lied beginnt,
wenn mit dem ersten Ton dein Herz erklingt,
ist´s, als ob ein Fisch ins Wasser springt.
Dann seid ihr eins: Du und die Musik – ihr klingt plötzlich gleich.
…
So wie deine Finger gleiten über Tasten und Saiten,
ist´s, als hättest du nie etwas anderes gemacht,
ist´s, als wärst du nie für was anderes gemacht.“
Das Musizieren am Klavier, am Cembalo und an der Orgel hat mein Leben von Kindesbeinen an geprägt. Stundenlang war ich in unserer Dorfkirche und spielte an der historischen Ladegast-Orgel. Es waren für mich himmlische Gefühle, wenn ich Orgelwerke von Dietrich Buxtehude oder Johann Sebastian Bach zum Klingen brachte und der Klang sich in den alten Gemäuern unserer Dorfkirche entfalten konnte. Wenn ich Urlaub mache, lege ich immer großen Wert darauf, dass ein Klavier in der Nähe ist und ich darauf auch spielen darf. In meinem Elternhaus habe ich oft bis in die tiefe Nacht gespielt. Meine Eltern haben sich darüber gefreut, zugehört und mit der Zeit sind sie mit meinen Klängen eingeschlafen. Als ich nach dem Abitur auszog, fehlten ihnen diese Klänge auf dem Weg in den Schlaf, das haben sie mir oft gesagt. So manche schwere Situation in meinem Leben wurde leichter, weil die Töne mich getragen haben. Bis heute spiele ich täglich in Freude und Dankbarkeit. Ein Leben ohne Musik, ohne Klavier und ohne Orgel kann und will ich mir nicht vorstellen – Entscheidendes würde mir fehlen. Ich tauche ein in eine andere Welt, in die Welt der Töne, der Mystik, in die göttliche Atmosphäre. Antonin Dvorak (1841-1904) nennt die Musik seiner
9. Symphonie „Aus der neuen Welt“. Ein wunderbarer Titel und eine berührende Musik. Das Musizieren führt mich in eine neue, andere Welt. Die alltäglichen, manchmal beschwerlichen Stunden dieser Welt, kann ich hinter mich lassen, ein Stück loslassen, mich neu ausrichten, meine Seele baumeln lassen und die Freude und Dankbarkeit des Lebens spüren und erfahren. Ich möchte es so sagen: Das Klavier-, Cembalo- und Orgelspiel hat für mich eine göttliche Dimension. Und wo das Göttliche durchbricht, entsteht Leben, Freude, Hoffnung, Zuversicht.
Ich finde das Bild des Fisches im Text von Leah Weigand sehr passend. Im Wasser ist der Fisch in seinem Element, da blüht er auf, tanzt, schwimmt und freut sich des Lebens. Ohne Wasser kann er nicht leben, würde er verkümmern. Je lockerer und beschwingter meine Finger über die Tasten gleiten, desto mehr fühle ich mich mit Gott und den Tönen verbunden. Deswegen habe ich auch Verse aus dem Psalm 146 als Lebensspruch für mich gewählt und ich weiß, diese Worte tragen und werden mich tragen – ein Leben lang.
„Ich will den Herrn loben, solange ich lebe.
Meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.“ (Psalm 146,2)
Vielleicht ist es bei Ihnen nicht die Musik, die Sie beflügelt. Vielleicht ist es etwas ganz anderes, das Ihnen Lebensschwung gibt. Egal – entscheidend ist, dass Sie suchen und finden, was Sie erfüllt und diesem dann auch Raum und Zeit geben – es wird Ihnen helfen zu leben. Ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen.
M – Musik
Euer / Ihr
Thomas Laufmöller
