Nicht von, sondern zu jemanden sprechen

Martin Buber (1878-1973) wurde einmal gefragt:
„Warum glauben Sie an Gott?“
„Wenn es ein Gott wäre, von dem man reden kann, dann würde ich auch nicht glauben.
Weil es aber ein Gott ist, zu dem man reden kann, darum glaube ich an ihn.“
Buber sagt es klipp und klar. Glaube ist Beziehung. Gott ist ein DU, kein ES. Deswegen gehört zum Glauben an Gott:

  • miteinander sprechen
  • das persönliche Gespräch suchen
  • sich begegnen
  • sich anvertrauen

Der unbekannte Mensch ist ein ES, der liebende ein DU. Deshalb ist es für eine lebendige Glaubensbeziehung wichtig, Gott in Liebe zu begegnen, denn Gott ist (die) Liebe – deus caritas est.
In einem Lied aus Taizé heißt es:
„Gott ist nur Liebe. Wagt für die Liebe alles zu geben.
Gott ist nur Liebe, gebt euch ohne Furcht“
Deswegen ist es viel persönlicher, nicht nur Gott zu sagen, sondern lieber Gott oder liebender Gott. Woher wissen wir, dass Gott die Liebe ist? Keiner hat Gott je gesehen oder direkt erfahren. Wir wissen es als Christen, weil Jesus Christus uns diesen, seinen Gott, als Liebe verkündet hat. Und als Christen glauben wir an den Gott Jesu Christi. An einen Gott der Liebe zu glauben, das trägt mich, gibt mir Lebenskraft und Lebensfreude. Jesus selbst sagt nicht Gott, sondern Abba – Papa, lieber Vater. So sollten auch wir Gott sehen, wie eine liebende Mutter, wie ein liebender Vater.
Entscheidend dabei ist auch, dass der zu Gott Sprechende niemals nur seine eigenen Bedürfnisse anspricht, sondern die der gesamten Menschheit – besonders die des Nächsten. Dass er nicht nur um sich selbst kreist, sondern die Welt, die Schöpfung, mit ihren Fragen und Sorgen, Freuden und Sehnsüchten vor Gott bringt.
Außerdem sollten wir neben dem Sprechen mit Menschen und mit Gott auch mit uns selbst sprechen, über uns nachdenken und meditieren, um uns selbst zu erkennen. Geh hinein in dein eigenes Ich, dort in der Tiefe deines eigenen Seins findest du dich und Gott. Deswegen gehört zum Glauben immer wieder das Sich-Zurückziehen. Ich habe in meinem Leben immer wieder Orte gefunden, die mir helfen, dass ich mich auf mich selbst einlasse und ganz bei mir bin und dann spreche ich zu Gott und höre auf ihn.
Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass auch Sie solche Orte in ihrem Leben haben oder finden werden, denn sie helfen entscheidend, einen Moment aus dem Alltag auszusteigen und die Tiefe und das große Geschenk des Lebens und des Glaubens zu spüren.

Euer / Ihr

Thomas Laufmöller

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