Liebe Freunde im Glauben!

Zu Weihnachten 1943 hat Dietrich Bonhoeffer aus seiner Zelle in Berlin-Tegel folgendes Gebet für Gefangene geschrieben:

Gott, zu dir rufe ich am frühen Morgen
hilf mir beten und meine Gedanken sammeln;
ich kann es nicht allein
In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht
ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht
ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe
ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden
in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

Er beschreibt in diesen Versen seine intensive Gottesbeziehung. Er weiß, wie sehr er der Liebe Gottes bedarf und wie entscheidend es im Leben ist, auf diese zu vertrauen und sein Leben an IHM festzumachen – und das nicht nur in den Krisenzeiten des Lebens.

Aus diesem Gebet ist ein Taizélied entstanden, das ich gerne und immer wieder singe. Es führt mich zu mir selbst, in mein Inneres und in die Tiefen des Glaubens. Es lautet:

 

 

Gott, lass meine Gedanken sich sammeln zu dir.
Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht.
Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den Weg für mich.

 

 

So verstehe ich momentan diese Zeilen für mich:

1. Sich sammeln

Beten heißt, dass ich zur Ruhe komme, dass ich still werde, dass ich mich sammle, dass ich mich befreie von den Ablenkungen und Fragen des Alltags, dass ich meine Seele vor Gott ausbreite, IHM meine ganze Aufmerksamkeit schenke, IHN wirken lasse und auf seinen Geist der Liebe und des Beistands vertraue.Das braucht Übung, also regelmäßige Wiederholung, so wie bei einem Sportler oder einem Musiker, der täglich seine Übungen macht.

2. Bei dir ist das Licht, du vergisst mich nicht

Wir Menschen sehnen uns nach Licht, wir schauen zum Licht empor. Wenn wir in der Nacht mit unseren Augen in den dunklen Himmel schauen, fällt unser Blick automatisch auf die Sterne, die leuchten und Licht hervorbringen. Das Licht zieht uns an, weil wir „Licht-Menschen“ sind.Christus ist das Licht der Welt. Sein Licht bringt Leben hervor und es ist Liebe. Niemals wird er aufhören, uns diese – seine Liebe – zu schenken. Erst recht nicht wird er uns vergessen. Der Mensch, der weiß, dass die Liebe das Notwendige und Entscheidende in seinem Leben ist, und der die Quelle der Liebe kennt, der wird sie immer wieder aufsuchen und daraus leben.

3. Bei dir ist die Hilfe, bei dir ist die Geduld

Gott hilft uns, dass unser Leben gelingt, dass wir den Sinn unseres Lebens erkennen, denn wir gehören ja zu IHM, wir sind sein Abbild. Das erfordert von uns oft Geduld, die wir in dieser schnelllebigen Zeit nicht mehr aufbringen wollen und können. Diese Geduld aber ist notwendig, um in die Tiefe zu kommen, während schnelle Lösungen oft oberflächlich sind. Wie oft machen wir die Erfahrung, dass etwas Großartiges geschieht, wenn wir mit Gott, uns selbst und unserem Nächsten Geduld haben?

4. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich

Gott ist und bleibt ein Geheimnis – wie wertvoll ist diese innere Haltung. Du kannst seine Liebe nicht verstehen, weil sie alles übersteigt. Du kannst auch nicht über sie verfügen, sonst könntest du ja über Gott bestimmen. Ich bin froh, dass manche meiner Wünsche nicht in Erfüllung gegangen sind. Ich bin mir aber auch darüber im Klaren, dass ich so manche Wege nicht allein gehen konnte, sondern Menschen an meiner Seite brauchte, die liebend und wahrhaftig mitgingen und zu mir standen.Gott nimmt mir nicht das Schwere in meinem Leben, aber ER hilft mir, dass ich es tragen kann, denn ER kennt mich, ER hat seine unendliche Liebe in mich hineingelegt. Ich bin und will auf IHN hin weiter ausgerichtet sein, denn ER weiß den Weg für mich. Dieser Weg führt zum Leben, hier und heute, und einmal in seine Unendlichkeit.

Ich habe diese Impulse in dem Moment geschrieben, als in St. Stephanus der Pfingstgottesdienst gefeiert wurde. Er wurde von der Gemeinde vorbereitet und gestaltet unter dem Leitwort „Effata – Öffne dich“. Ich spüre in meiner Seele die enge Verbundenheit mit diesen Menschen, mit denen ich so viele Jahre gelebt und Gott gepriesen habe. Vielfalt und Freude am Leben und im Glauben haben wir gespürt und groß gemacht. So wurde es eine so segensreiche Zeit.

Sich sammeln zu Gott, alle Aufmerksamkeit auf IHN lenken, auf sein Licht und seine Liebe vertrauen, geduldig warten und beten:

Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

Diese Gedanken bestimmen gerade im Besonderen mein Leben und ich wollte Sie und Euch gerne daran teilhaben lassen.

Mögen wir uns immer wieder Zeit nehmen, um Gottes Worte mit unseren Ohren und unserem Herzen zu hören, und mögen sie dann für uns zur Quelle des Lebens werden.

Effata – Öffne dich!

Frohe Pfingsten

Ihr / Euer

Thomas Laufmöller

Aber Du weisst den Weg für mich

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