Neulich sagte mir jemand aus meiner früheren Gemeinde St. Stephanus voll Wertschätzung:

„Wir vermissen so sehr Ihre Wochenbriefe“. Woche für Woche habe ich für die Menschen in der Gemeinde Impulse geschrieben. Das waren Ereignisse und Erfahrungen aus dem Alltag von Gemeinde und Schule, die ich in einem geistlichen Impuls für das Leben formuliert habe. Diese kurzen Gedanken wurden zu einem wichtigen Teil meiner Tätigkeit und ich habe durch sie viel Kontakt zu den Menschen aufnehmen und halten können.

Heute bin ich seit eineinhalb Jahren nicht mehr Pastor in der Stephanus-Gemeinde, in der ich 18 Jahre in Freude gelebt und gewirkt habe. Meine Aufgabe als Pastor dort ist mit einem harten Bruch beendet worden. Ein Zurück in diese Funktion kann und wird es nicht mehr geben, dennoch bleibt eine Beziehung zu vielen Menschen. „Die Steine können sie Ihnen nehmen, aber niemals die Menschen“,

so hörte ich es vor kurzem. Wenn ich persönlich als Seelsorger gefragt werde, im Trauerfall oder in den Freuden des Lebens, Taufen oder Hochzeiten, komme ich gerne und begleite die Menschen, wenn es meine Zeit erlaubt. Ich begleite und helfe gerne – das ist und bleibt meine Berufung. Meinen Weg als Seelsorger werde ich weiterhin in Zuversicht, Wahrhaftigkeit und Freude gehen, gleichsam „Hinter Jesus her“, so lautet der Titel eines Buches von Franz Kamphaus.

Auf neuem Weg möchte ich nun wieder „Wochenbriefe“ schreiben und kurze Gedanken aus meinem Alltag als seelsorglichen Impuls für alle anbieten. Sie finden die Briefe auf meiner Webseite unter www.friedensbotschaften.de und dann unter den Überschriften:

  • Momente des Lebens
  • Lieder, die bewegen
  • Worte, die bewegen

Heute möchte ich einen Gedanken aus meiner letzten Predigtreihe in St. Stephanus aufgreifen. Sie hatte den Titel „Gleise des Lebens“. Darin habe ich Erfahrungen des Zugfahrens auf das Leben und den Glauben übertragen und gedeutet. Zu meinen eigenen Gedanken habe ich auch Impulse des verstorbenen Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher hinzugenommen. Einer meiner letzten Gedanken stand damals unter der Überschrift „entgleisen“. Dieses Wort hat mich in den letzten Monaten begleitet. Viel Schlimmes, Trauriges und Brutales ist im Zusammenhang mit meiner Versetzung geschehen. Ich hätte daran zerbrechen können. Meine Familie, meine engsten Freunde und mein Netzwerk an guten und lebendigen Beziehungen haben dieses verhindert und auch mein tiefer Glaube. Mein Vertrauen in die Institution Kirche und ihre Leitungspersonen ist erschüttert, und ich muss heute das Wort Vertrauen neu buchstabieren. Vertrauen entsteht langsam, ist manchmal tief, dann wieder erschüttert und zerschlagen und ist auch manchmal nicht mehr zurückzugewinnen. Vertrauensverluste anzunehmen und damit zu leben, das gehört zu den schmerzlichen Erfahrungen unseres Lebens. Für mich war es ein schwerer Weg, eine mühsame Fahrt, aber ich bin nicht entgleist. Ich gehe meinen Weg in froher Fahrt in der Kraft des Glaubens, zusammen mit den Menschen, die mit mir und mit denen ich gehen möchte. Zurück im Leben auf guter Fahrt – so sehe ich mich gerade selbst.

Fallen Ihnen Erfahrungen der Entgleisung in Ihrem Leben ein? Und wie sind Sie damit umgegangen? Wie haben Sie die Entgleisungen bewältigt? Haben Sie das Vertrauen schonmal verloren? Wem können Sie Ihr Vertrauen noch oder wieder schenken? Hilft Ihnen Ihr Gottvertrauen durch schwere Zeiten?

Vor kurzem beobachtete ich zwei Menschen am Bahnhof, der eine im Zug, der andere am Bahnsteig. Als sich der Zug in Bewegung setzte, winkten sie sich zu, bis sie füreinander aus dem Blick verschwunden waren. Ähnlich geht es mir:

Einige Menschen habe ich lange nicht mehr gesehen, unsere Wege haben sich getrennt. Manche sehe ich immer mal wieder. Diejenigen, die zu echten Freunden geworden sind, oft und regelmäßig. Wiederum andere sind aus meinem Blickwindel verschwunden, aber nicht aus meinem Herzen und das ist ein warmes und lebensbereicherndes Gefühl.

Euer / Ihr Pastor

Thomas Laufmöller

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