Vor vielen Jahren habe ich mit einigen Firmlingen über den Heiligen Geist gesprochen, über seine Kraft und Dynamik. Dann durften sie diese Kraft und Dynamik sowie die Freude, die damit verbunden ist, mit Farben zum Ausdruck bringen. Der Heilige Geist ist wie Feuer, scheint das Bild zu sagen, das daraus entstanden ist. Er ist wie helles Licht, das aus der Mitte heraus hervorbricht. Zur Mitte hin wird es immer heller, sehen wir. Die Energie des Heiligen Geistes dringt nach außen und erhellt das Dunkel.

Wir kennen das aus unserem eigenen Leben. Wenn es zu dunkel ist und wir das Gefühl haben, dass es nicht mehr weitergeht, müssen wir all unser Vertrauen in liebende Menschen, in uns selbst und in Gott zusammennehmen. Gelingt uns dies, so durchbricht das Licht der Zuversicht die Dunkelheit. Es sind schöne und tragende Erfahrungen, wenn Menschen spüren, dass es stets Grund zur Hoffnung gibt. Selbst in solch schweren Kriegssituationen, wie sie gerade in der Ukraine lebensbestimmend sind, stehen Menschen immer wieder auf, spüren eine Kraft in sich, weil sie auf das Licht vertrauen.

Bilder wie das Pfingstbild der Firmlinge können sich in das Herz des Menschen hineinlegen und ihm im Zweifelsfall eine Stütze sein.

Diese Liebe strahlt auch durch die Begegnung im heutigen Evangelium hindurch. Dort wird erzählt, dass die Jünger die Türen hinter sich geschlossen haben. Damit wollen sie ausdrücken, dass sie nichts mehr sehen und hören wollen. Sie mussten genug aushalten. Es reicht jetzt. Hoffnung und Zuversicht können sie nicht mehr in sich finden und darum verschließen sie sich selbst. In diese Situation hinein kommt Jesus. Er öffnet die Türen und geht in ihre Mitte – so lesen wir. Wenn man in den griechischen Urtext schaut, so fällt auf, dass die Übersetzung nicht ganz präzise ist. Eigentlich steht dort, dass Jesus in die Mitte tritt – und nicht in ihre Mitte. Für mich ist das ein großer Unterschied. Es geht nicht um eine Verortung Jesu im Raum, sondern darum, dass er seine Jünger wieder zu ihrer eigenen Mitte führen möchte. Sein Kommen zielt darauf, ihnen aus ihrer Ohnmacht herauszuhelfen.  Er tritt in die Mitte, um ihr Inneres zu öffnen. Er möchte sie zentrieren. Er möchte sie aus ihrer Verschlossenheit herausholen, damit sie sich zentralen Fragen ihrer jetzigen Situation stellen: Wer bin ich? Was bleibt? Welche Möglichkeiten habe ich?

Als Jesus in die Mitte tritt, begrüßt er seine Jünger mit einem tiefen und innigen Wort. Er wünscht ihnen keinen guten Tag, sagt kein hallo, sondern: „Friede sei mit Euch“. Im Hebräischen heißt es: „Schalom“. Damit möchte er seinen Wunsch ausdrücken, dass seine Jünger heil werden, dass er ihre Seele heilen will, in sie Hoffnung und Liebe hineinlegen möchte. Jesus weiß, dass es hier auf Erden immer Menschen gibt, die die Liebe totschlagen. Gerade in diese Situation hinein spricht er sein Schalom und schenkt den Jüngern damit Hoffnung entgegen aller Ängste. Solch einfache Worte können das Herz des Menschen erfüllen.

Danach zeigt Jesus den Jüngern seine Wunden an den Händen und in der Seite. Der Evangelist möchte dadurch ausdrücken, dass es sich hier um den Gekreuzigten handelt, der auferstanden ist. Die Kraft, die die Jünger spüren, der Heilige Geist, der ihnen geschenkt wird, ist dieser Auferstandene und Lebendige. Hier ist derjenige, der den Tod überwunden hat und der im Heiligen Geist gegenwärtig sein möchte. Er spricht immer wieder sein Schalom aus. Dies zu erleben oder zu wissen, ist eine unendliche Kraftquelle, die uns Mut zum Leben geben kann.

Die Jünger empfangen den Heiligen Geist, indem Jesus sie anhaucht. Atem ist Energie, die Lebenskraft schenkt. Entscheidend ist, dass die Jünger diesen Heiligen Geist geschenkt bekommen. Nicht sie sind die Handelnden, sondern er handelt. In diesem Moment sind die Jünger empfangsbereit oder „auf Sendung“, wie wir ein Firmthema einmal genannt haben. Die Jünger öffnen ihre Herzen erneut und lassen sich von der Dynamik, die von Gott kommt, überraschen und beschenken.

Pfingsten ist die Geistes-Kraft, die von Gott hervorgebracht wird. Sie hat den Jüngern eine ganz neue innere Haltung geschenkt. Wir dürfen uns im Anschluss fragen, ob wir selbst empfangsbereit für die Kraft des Heiligen Geistes sind. Sind wir offen? Wofür? Wofür wir offen sind, das wird unser Leben prägen. Wir verspüren die Gefühle, die wir nähren. Davon erzählt eine alte Weisheit:

Ein Indianerhäuptling erzählt seinem Sohn folgende Geschichte:

„Mein Sohn, in jedem von uns tobt ein Kampf zwischen zwei Wölfen.
Der eine Wolf ist böse. Er kämpft mit
– Neid
– Eifersucht
– Gier
– Arroganz
– Selbstmitleid
– Lügen
– Überheblichkeit
– Egoismus
– und Missgunst.

Der andere Wolf ist gut. Er kämpft mit
– Liebe
– Frieden
– Freude
– Hoffnung
– Gelassenheit
– Güte
– Mitgefühl
– Großzügigkeit
– Dankbarkeit
– Vertrauen
– und Wahrheit.“

Der Sohn fragt: „Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf?“
Der Häuptling antwortet ihm: „Der, den du fütterst.“

Bei jeder Taufe rate ich den Eltern, ihr Kind mit Liebe „zu füttern“. Je mehr Liebe dieses Kind empfängt, desto mehr Liebe wird es in seinem Leben in die Welt tragen. Bei allen Enttäuschungen und Fragen dürfen wir niemals aufhören, empfangsbereit für die Liebe zu sein, sie zu leben und uns mit Menschen zu umgeben, die uns weiter mit Liebe und Zuversicht „füttern“. Der Heilige Geist möchte uns in jedem Moment mit dieser Liebe nähren. Wir müssen uns ihm nur öffnen. Ich wünsche uns, dass wir dazu immer wieder bereit sind.

Friede als Gabe den Heiligen Geistes

Pfingstsonntag

Joh 20,19-23

Euer / Ihr Pastor

Thomas Laufmöller

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